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Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzaspekten

— Die Metapopulation als Überlebensstrategie für verinselte Widderchenpopulationen —


Die Existenz der Widderchenpopulationen im gegenwärtigen Verbreitungsmuster und Bestand ist nur als Verbund fragmentierter Subpopulationen zu einer größeren Metapopulation möglich. In der Metapopulation sind für sich nicht überlebensfähige Teilpopulationen zu einer umfassenden, stabilen Einheit verbunden. Die einzelnen Subpopulationen besaßen zwar eine eigene Dynamik und waren voneinander abgrenzbar, ihre Populationen waren aber meist so klein, daß ohne Kontakt zu Nachbarpopulationen früher oder später mit ihrem Aussterben zu rechnen ist. Verfügbare Untersuchungsergebnisse über konkrete Größenangaben einer kleinsten überlebensfähigen Population (MVP) für Widderchen liegen zwar nicht vor, SOULE (1987) nimmt jedoch für Populationen verschiedener Tierarten generell an, daß diese ein oder mehrere tausend Tiere betragen muß. Mit Ausnahme einer einzigen Z. viciae Population ist ein langfristiges Überleben der untersuchten Widderchenpopulationen damit nicht gesichert. Wie zuvor belegt, wurde erst durch die Individuenaustausche ein Genfluß zwischen Subpopulationen ermöglicht, der schädlichen Inzuchtprozessen entgegenwirkte. Darüber hinaus waren bereits befruchtete, eiablagefähige Weibchen in der Lage über mehrere km neue Lebensräume zu erschließen oder ehemals bewohnte Biotope wieder zu besiedeln. Eine Neubesiedlung von geeigneten Steinbruchbrachen, die z.T. mehrere km von bestehenden Widderchenpopulationen entfernt sind, wird somit im nachhinein plausibel (vgl. BÖHMER et al. 1995). Ähnliche Untersuchungen aus anderen Naturräumen bestätigen das Dispersionsvermögen von Widderchen, schließen artspezifische Unterschiede jedoch nicht aus. Die in einigen Untersuchungen ermittelten, maximal überflogenen Distanzen entsprachen zumeist jeweils der untersuchungsbedingt größtmöglichen Distanz: ca. 1km (SMOLIS & GERKEN 1987), ca. 1km (SCHMIDT-LOSKE 1992), 1,5km (NAUMANN et al. 1987), 1,7km (GRÜNWALD 1988) und 2km (BÖHMER 1995). Lediglich LÜTTMANN (1987) räumt den Widderchen nur eine geringe Mobilität ein, stellte aber ebenfalls Dispersionsflüge fest. Über mehrere Kilometer hinaus können Flächen, aufgrund des hohen Bearbeitungsaufwandes, in der Regel nicht mehr von einer einzigen Person patrouilliert werden. Hierzu liefern genetische Untersuchungen zur Korrelation von Allelfrequenzen verschiedener Populationen des Zygaena-transalpina-Komplexes eine wichtige Ergänzung. Im Gebiet der Altmühlalb (Süddeutschland) wurde innerhalb untersuchter Populationen dieses Komplexes eine genetische Ähnlichkeit innerhalb eines Entfernungsradius von ca. 64km festgestellt (HILLE 1992). Es muß also in historischer oder rezenter Zeit einen Austausch von Individuen dieser Populationen gegeben haben oder noch geben. Bemerkenswert ist, daß es bereits innerhalb einer engeren systematischen Gruppe erhebliche artspezifische Unterschiede bezüglich der Flugaktivität auftreten. So war für Z. viciae in dieser Arbeit nur eine vergleichsweise geringe Flugaktivität beobachtet worden, was auch durch eine vergleichbare Untersuchung von SMOLIS & GERKEN (1987) bestätigt wird. Populationen von Z. trifolii wiesen nach Untersuchungen von HEINE (1990) ebenfalls eine nur eingeschränkte Flugaktivität auf. Distanzen über 50m sollen hiernach bei Z. trifolii bereits zu einer völligen Isolation von Subpopulationen führen.


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