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Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzaspekten

— Verbunddistanzen anderer Schmetterlings- und Insektenarten —


Bezüglich der Dispersionsdynamik stellen die bisher als flugträge eingestuften Widderchen (HEINE 1990, DABROWSKI 1959) keinen Einzelfall in der Artenfülle des Insektenreiches dar. Untersuchungen an anderen Schmetterlings- und Insektenarten zeigen deutliche Parallelen im Dispersionsverhalten. Innerhalb der Schmetterlinge wurden, verursacht durch aktive Flugbewegungen oder Windverdriftung, Flugdistanzen von einigen hundert Metern bis über 1km ermittelt. Beispiele sind der Schachbrettfalter (Melanargia galathea) mit ca. 1km (SCHMIDT-LOSKE 1992) und der Kreuzenzian-Ameisen-Bläuling Glaucopsyche (Maculinea) rebeli mit 200-300 m (KOCKELKE et al. 1994). Auch die Untersuchungen von STEFFNY (1982) zur Ausbreitung von Schmetterlingen belegen, daß selbst 100 m breite Waldstreifen und Entfernungen bis zu 1km oder darüber für das große Ochsenauge (Maniola jurtina) und in ähnlicher Weise auch für den Schornsteinfeger (Aphantopus hyperantus) keine Hindernisse darstellten. Für weibliche Schachbrettfalter (Melanargia galathea) stellt STEFFNY die geringste Ortstreue fest. Lediglich ein Drittel der markierten weiblichen Falter (im Gegensatz zu zwei Dritteln bei den Männchen) blieb der Markierungsfläche treu, sie legten dabei Entfernungen von bis zu 500 m zurück. RIESS (1986) gibt für Schmetterlinge der Trockenrasen aber auch für andere Gruppen wie Hummeln und Grillen ca. 1-3km, für Heuschrecken ca. 1-2km und für Wildbienen, Falt- und Grabwespen ca. 1km als überwindbare Distanzen an. Nach HEYDEMANN (1981) werden die überwindbaren Distanzen von flugfähigen Insekten jedoch meistens unterschätzt und betragen wohl meist zwischen 0,5 und 10km. Er konstatiert daher für flugfähige Arten einen Leitwert von 8-10km als maximalen Abstand zwischen ähnlichen Ökosystemen um deren ökologisch-genetische Isolation zu verhindern. Möglicherweise stehen zahlreiche verinselte Populationen flugfähiger Insektenarten ebenfalls durch Individuenaustausche in Verbindung oder bilden gar übergreifende Metapopulationen. Je kleiner jedoch die Populationsgrößen und das Dispersionsvermögen einer Art sind, und so ausgeprägter ihr stenöker Charakter ist, desto geringer werden ihre Überlebenschancen bei weiterem Verlust und Verkleinerung von Biotopen sein.


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