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Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzaspekten

— Aufgegebene Steinbrüche werden wichtige Glieder des Biotopverbundes —


Abb. 9: In Betrieb befindliche und stillgelegte Steinbruchflächen entlang des südlichen Albtraufes bei Blaubeuren als mögliche Elemente eines Metapopulationskonzepts.

fig. 9: Operational and closed quarries along the southern edge of the Swabian Alb hils at Blaubeuren: possible elements of a meta-population concept.

Im weiteren Umfeld des Untersuchungsgebietes stellt Steinabbau einen drastischen Eingriff in die Natur und Landschaft dar, welcher u.a. den Flächenverlust von Kalkmagerrasen mit verursachte. Der Betrieb eines Steinbruches ist aufgrund der Folgen für den Landschaftshaushalt mit gesetzlichen Auflagen zur Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen nach dessen Stillegung verbunden. Viele Genehmigungen zur Steinentnahme im Raum Blaubeuren wurden bereits vor einigen Jahrzehnten erteilt, an diese gekoppelte Ausgleichmaßnahmen fordern, gemäß den damaligen Gegebenheiten, als Folgenutzung eine Rekultivierung zu Agrar- oder Waldflächen. Heute liegen jedoch völlig andere Bedingungen vor: die Agrar- und Waldfläche hat sich zum Nachteil der Kalkmagerrasen vergrößert, noch bestehende Kalkmagerrasen befinden sich z.T. bereits in fortgeschrittener Sukzession. Die Bewirtschaftung der Nutzflächen außerhalb der Steinbrüche wurde intensiviert, so daß stillgelegte, sich selbst überlassene Steinbrüche heute als wichtige, potentielle Refugien einzustufen sind, die sich in der Vergangenheit bereits zu artenreichen Trockenstandorten entwickelten (BÖHMER & RAHMANN 1994, BÖHMER et al. 1995), (Abb. 8a, b).
Für stillgelegte Steinbrüche wurde bisher eine Folgenutzung Naturschutz zu wenig berücksichtigt (BÖHMER et al. 1995). In der Diskussion um ein für und wider verschiedener Rekultivierungsmaßnahmen stellt sich sowieso die Frage, ob auf den Fels- und Schuttstandorten der Steinbrüche durch aufwendige Maßnahmen wieder forst-und landwirtschaftliche Nutzflächen geschaffen werden sollen, wenn andernorts auf besseren Böden immer mehr Nutzflächen stillgelegt werden. Im Falle der Folgenutzung Naturschutz könnte auf einfache Weise die Entstehung artenreicher Kalkmagerrasen auf vegetationslosen Steinbruchbrachen durch Ausbringung von geeignetem Mähgut beschleunigt und weitgehend unabhängig vom Umfeld gestaltet werden. Der entstehende Kostenaufwand beläuft sich auf 1-2 DM pro m² TRÄNKLE et al. (1995). In der Praxis werden stillgelegte Steinbrüche jedoch zumeist gewinnbringend verfüllt. Dennoch eröffnet sich vor diesem Hintergrund ein wünschenswerter Kompromiß zwischen dem massiven Eingriff des Steinabbaus und dem Landschafts- und Naturschutz, der eine praxisorientierte und zugleich kostengünstige Lösung zugunsten des Naturschutzes darstellt. Alleine im Untersuchungsgebiet um Schelklingen existieren mehrere Steinbrüche, die sich nach Stillegung, in ähnlicher Weise wie der ehemalige Steinbruch Sotzenhausen, zu Ersatzlebensräumen für Kalkmagerrasenarten entwickeln könnten. Überregional, zwischen Ulm und Ehingen, sind weitere Steinbrüche vorhanden, die sich ebenfalls als potentielle Ersatzlebensräume eignen (Abb. 9). In einem Entfernungsraster von wenigen km könnte so im Laufe der Zeit entlang des südlichen Albtraufes ein Netz aus z.T. mehreren ha großen, stillgelegten Steinbrüchen entstehen. Zwischen den Steinbrüchen sind momentan noch zahlreiche Kleinbiotope in Form von Wegböschungen, Feldrainen, Brachflächen, Felsköpfen, u.a. vorhanden, die wichtige Trittsteinfunktionen für den Verbund verbliebener Kalkmagerrasen mit bereits vorhandenen Steinbruchbrachen erfüllen. Entlang des gesamten südlichen Albtraufes ist auf diese Weise ein überregionales Biotopverbundsystem für flugfähige Insektengruppen und andere mobile Tierarten denkbar.

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