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Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzaspekten

— Die Metapopulation als Schutzziel für Widderchen —


Widderchen sind aufgrund ihrer stenöken Eigenschaften als Bioindikatoren für faunistische Zwecke prädestiniert. Ihr stenöker Charakter und ihre Standorttreue setzen diese andererseits einer erhöhten Gefährdung aus (HOFMANN 1994). Ein weiterer Rückgang der noch vorhandenen Kalkmagerrasenbiotope wird daher unweigerlich zum Verschwinden der noch vorhandenen Widderchenarten und eines Großteiles der übrigen Lepidozönose im Raum Blaubeuren führen. Der Erhalt von Kalkmagerrasenflächen durch eine Rückkehr zu einer großflächigen extensiven Beweidung ist im Gegenzug aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen unmöglich (PLACHTER & SCHMIDT 1995). Die Aufrechterhaltung und der Ausbau der Metapopulationsstruktur ist daher der minimal notwendige und zugleich effektivste Kompromiß zwischen sozialen, sowie ökonomischen Gesichtspunkten und dem Naturschutz. Gegenüber anderen Schutzkonzepten ergeben sich durch das Metapopulationskonzept im Raum Blaubeuren folgende Vorteile: - die Grundstruktur aus Trittsteinbiotopen und eigendynamischen Populationen auf bis zu mehreren ha großen Kalkmagerrasen in einem überwindbaren Abstandsgefüge von maximal 1-3km ist vorhanden, stillgelegte Steinbrüche lassen sich problemlos in dieses System integrieren. - durch den Einbezug nur kleiner Flächen werden ökonomische Interessenkonflikte weitgehend vermieden - das Aussterberisiko der Metapopulation wird auf eine Vielzahl verschiedener Flächen gestreut - die Metapopulation erfüllt eine Brückenfunktion zu weiter entfernten (Meta-) Populationen - aufgrund der Eigendynamik von Subpopulationen läßt sich der Effekt unterschiedlicher Pflegemaßnahmen auf verschiedenen Flächen vergleichen. Der Nachteil des genannten Metapopulationskonzeptes besteht darin, daß nicht mobile Arten unzureichend berücksichtigt werden. Die Schaffung lineare Ausbreitungshilfen, z.B. in Form von Waldsäumen oder Wegrainen, könnte hierbei Abhilfe schaffen. Bezüglich des maximal überbrückbaren Abstandes zwischen ähnlichen Ökosystemen ist für Widderchen ein Leitwert von 1-3km statt des von HEYDEMANN (1981) für flugfähige Arten empfohlenen Wertes von 8-10km zu fordern.


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