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Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzaspekten

— Pflegemaßnahmen der Kalkmagerrasen unter besonderer Berücksichtigung der Lepidozönose —


Pflegekonzepte für Kalkmagerrasen und ähnliche Biotoptypen wurden bereits in vielfacher Weise in der Literatur diskutiert (u.a. PLACHTER & SCHMIDT 1995; BEINLICH & PLACHTER 1995). Allgemein gilt, daß artenreiche Kalkmagerrasen zur langfristigen Sicherung ihrer Struktur beweidet werden müssen, da nur so den historischen Gegebenheiten und der Eigendynamik von Populationen und Ökosystemen entsprochen werden kann. Die Mahd von Trockenrasen ist zwar ein Notbehelf, stellt aber lediglich die Erhaltung eines Wunschzustandes unter hohem Kosten- und Arbeitsaufwand dar, ohne die wesentlichen Bedürfnisse dieser Biotope zu erfüllen (PLACHTER & SCHMIDT 1995). Wohingegen eine Pflege durch extensive, traditionelle Schafbeweidung jederzeit ohne Bedenken erfolgen kann, ergeben sich gerade bei der Mahd Schwierigkeiten bei der Erstellung von Schutzempfehlungen aufgrund unterschiedlicher Schutzkriterien für Kalkmagerrasenarten aus vegetationskundlicher und tierökologischer Sicht. So werden oftmals Pflegetermine für Kalkmagerrasen aus vegetationskundlicher Sicht bereits Anfang Juli empfohlen, um eine nachhaltige Zurückdrängung von Gräsern wie Brachypodium pinnatum und Gehölzjungwuchs zu bewirken (vgl. WEIDNER 1991). Aus Sicht der Lepidozönose ist dies jedoch für eine Dauerpflege von Kalkmagerrasen auf der Schwäbischen Alb nicht zu empfehlen, denn gerade der Blühaspekt der für Widderchen und andere Schmetterlingsarten wichtigen spätblühenden Nektarpflanzen wie Scabiosa columbaria, Knautia arvense, Origanum vulgare, Centaurea jacea, u.a. wird durch eine Mahd vor Ende August bis Anfang September vorzeitig beendet (vgl. DIERSCHKE 1972). Mit eintreten dieser "Mahdkatastrophe" sinkt die Individuenzahl der Schmetterlinge auf den betreffenden Flächen durch Abwanderungen drastisch, außerdem ist eine Zunahme der Individuenzahlen auf bisher nicht gemähten und vergleichbaren benachbarten Flächen zu beobachten (STEFFNY 1982). Gerade bei Schmetterlingsarten mit eingeschränkter Mobilität und dem Fehlen von gleichwertigen Ersatzflächen in erreichbarer Nähe, wirkt sich eine dauerhaft frühzeitige Mahd negativ auf die Lepidozönose aus (vgl. STEFFNY 1982). Alternativ zu einem späten Mahdtermin wäre jedoch auch durch eine Staffel- oder Inselmahd sowohl den vegetationskundlichen als auch den tierökologischen Aspekten Rechnung getragen.


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