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Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzaspekten

— Einleitung —


       Das 20. Jahrhundert ist durch einen weltweiten, drastischen Artenrückgang und den Verlust vieler Populationen geprägt. In Deutschland, wie auch im übrigen Mitteleuropa, ist die Ursache hierfür in erster Linie die maschinengerechte Umgestaltung und intensivere Nutzung der Agrarlandschaft, sowie ein erhöhter Flächenverbrauch durch Bebauung, welche mit dem Verlust an geeigneten Lebensräumen und deren Verinselung einher liefen. Verbliebene Populationen können deshalb durch Isolation und Inzucht zusätzlich stark gefährdet werden. Bisherige Naturschutzbemühungen haben den Artenrückgang zwar gebremst, lassen aber keine positive Wende des bisherigen Trends erkennen. Effektivere und realisierbare Ansätze für Naturschutzmaßnahmen sind deshalb erforderlich. Übergreifende Biotopverbundkonzepte bieten sich als mögliche Lösungen an, es mangelt jedoch an wissenschaftlicher Grundlage und praktischer Erfahrung. Inwiefern Populationen gefährdeter Tierarten in der Lage sind, die zunehmende Verinselung ihrer Habitate durch Individuenaustausche zu kompensieren um als größere Metapopulation zu überleben, ist bisher nur in Ansätzen untersucht. Während für Wirbeltiere bereits einige Ergebnisse vorliegen (vgl. JEDICKE 1994) sind Untersuchungen über die maximal überbrückbaren Distanzen bei Insekten selten, Ergebnisse finden sich beispielsweise bei RIESS (1986). Für Tagfalter führten beispielsweise STEFFNY (1982), SCHMIDT-LOSKE (1992), sowie KOCKELKE et. al. (1994) derartige Untersuchungen durch. Biotopverbundaspekte von Widderchen , die allgemein als standorttreu und flugträge gehalten werden (HEINE 1990, DABROWSKI 1959), wurden bei LÜTTMANN (1987), SMOLIS & GERKEN (1987), NAUMANN et al. (1987), GRÜNWALD (1988), HEINE (1990), SCHMIDT-LOSKE (1992) und BÖHMER (1995) untersucht. Die Ergebnisse stammen aus unterschiedlichen Naturräumen und Habitatmosaiken, sie unterscheiden sich hinsichtlich der maximalen Verbunddistanzen (50m bis ca. 2km) und der beobachteten Mobilität (gering bis hoch). Keine Befunde liegen aus Baden-Württemberg und aus Gebieten mit verinselten Biotopen in einem größeren Abstandsgefüge über eine Ausdehnung von mehreren km² vor. Die vorliegende Arbeit untersucht auf der Grundlage einer genauen Biotopkartierung im Raum Blaubeuren, Baden-Württemberg, Süddeutschland unter Anwendung einer Fang-Markierung-Wiederfangmethode die Dispersionsdynamik der im Gebiet häufigeren Widderchenarten Zygaena filipendulae, Z. carniolica, Z. viciae, Z. loti und Z. transalpina zwischen verinselten Kalkmagerrasen auf einer ca. 10km² großen Fläche. Die Ergebnisse sollen einen Anreiz für die Umsetzung eines Metapopulationskonzeptes im Großraum Blaubeuren geben.            


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