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Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzaspekten

— Untersuchungsgebiet und Methoden —


Abb. 2: Lage des Untersuchungsgebietes.

fig. 2: Location of the study area (dshed line indicates the study area, full line the capture recapture territory)

   Das Untersuchungsgebiet dieser im Jahre 1994 durchgeführten Studie befindet sich auf der mittleren Flächenalb bei Blaubeuren, etwa 20km westlich von Ulm/Donau (Abb. 2) die Region war durch eine vorjährige Kartierung vorhandener Widderchenbiotope und Bestandsaufnahmen weiterer Lepidopterenarten im Rahmen einer Studie zum Naturschutzwert von Steinbrüchen (BÖHMER & RAHMANN 1994) sehr gut bekannt. Die kartierte Fläche umfaßte ca. 30km², in ihrem Zentrum, um die Ortschaft Sotzenhausen (Abb. 2), wurde auf einer ca. 10km2 großen Fläche die Dispersionsdynamik von Widderchen untersucht. Die vorgefundenen Widderchenbiotope in diesem Gebiet ließen sich pflanzensoziologisch als Kalkmagerrasen (Mesobromion) in unterschiedlichen Sukzessionsstadien charakterisieren. Zur Untersuchung der Aspekte zum Biotopverbund kam im wesentlichen eine Fang-Markierung-Wiederfang Methode (FMW) zur Anwendung. Bei dieser Methode wird eine ausreichende Anzahl an Individuen einer Population gefangen, markiert und wieder freigelassen. Nach anschließender Durchmischung markierter mit nicht markierten Individuen wird erneut eine Stichprobe aus der Population gefangen und das Verhältnis markierter zu nicht markierten Tieren bestimmt SOUTHWOOD (1978). Die Berechnung der Populationsgrößen erfolgte nach der JOLLY-SEBER Methode (BEGON 1979). Die Gesamtpopulationsgrößen wurden nach BLOWER et al. (1981), MATSUMOTO (1984) und KOCKELKE et al. (1994). berechnet und als Mittelwert der drei Schätzungen angegeben. Die Berechnungen wurden für beide Geschlechter gemeinsam durchgeführt, da sich bei getrennter Berechnung keine signifikanten Unterschiede für ein Geschlecht ergaben. Zur dauerhaften Markierung während der FMW Untersuchung wurde jedes Tier mittels eines extrafeinen Lackstiftes mit einem beständigen und gut lesbaren Punktcode versehen (Abb. 1, 3a, b). Der Punktcode wurde auf der Vorderflügeloberseite aufgetragen und bestand pro Flügel aus sechs möglichen Markierungs-Punkten, die je nach Belegung, in Anlehnung an das Binärsystem, Werte zwischen 1 und 63 (insgesamt 26 -1 Möglichkeiten) repräsentierten. Die Herkunftsortscodierung wurde ebenfalls durch ein Punktmuster, diesmal auf der Hinterflügelunterseite festgelegt (Abb. 3 a, b). Durch die Verwendung eines sechsstelligen Punktcodes pro Vorderflügel sollte möglichst wenig der natürlichen Flügelzeichnung überdeckt werden, wie sie beispielsweise bei der Verwendung von Zahlen oder Ziffern auf den relativ kleinen Flügeln der Widderchen auftritt. Gleichzeitig sollte die Markierung vollständige Informationen über den Ort und Tag der Markierung, sowie der Individuen-Nr. in separater Weise enthalten, und eine ausreichende Anzahl an Codierungsvarianten für den Untersuchungszeitraum gewährleisten. Die Dreiteilung des Punktcodes in Individuen Nr., sowie den Tag und Ort der Markierung erforderte zwar etwas mehr Markierungspunkte, ermöglichte aber andererseits eine exakte Bestimmung des markierten Individuums auf der Untersuchungsfläche. Um die Reproduktionsfähigkeit von Flächenwechslern zu bewerten, wurde deren Alter berücksichtigt. Dieses wurde aus der maximalen Zeitspanne zwischen Markierung und Wiederfang auf der neuen Fläche ermittelt. Das Alter bereits erheblich abgeflogener Widderchen wurde bei der Markierung aufgrund der Abnutzung der Flügelbeschuppung geschätzt. Für die Schönwettersaison des Untersuchungsjahres erwies sich der Verlust der Vorderflügelschuppen bei einer Vielzahl unmittelbar nach dem Schlupf markierter Widderchen mit guter Näherung als linear von der Flugzeit abhängig (KREUSEL 1995). Abgeflogenen Tieren wurde so das für den jeweiligen Flügelzustand ermittelte durchschnittliche Alter zugewiesen. Zur graphischen Darstellung der historischen Entwicklung von Kalkmagerrasen wurden aus einzelnen Flurkarten im Maßstab 1:5000 der staatlichen Vermessungsämter Ulm und Ehingen für die Jahre 1821, 1937-1950 und 1991 Informationen zur bestehenden Landnutzung auf eine selbstentworfene Computergraphik für eine Flächengröße von ca. 7km x 4,7km übertragen. Zur einfacheren Darstellung wurde die Landnutzung in Kalkmagerrasen, Fettwiesen, Ackerflächen, Wald, Steinbrüche, Wasser- und Siedlungsflächen differenziert.

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