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Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzaspekten

— Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen —


Trotz der räumlich isolierten Lage der Widderchenbiotope standen diese durch dispergierende Individuen beider Geschlechter in Wechselwirkung. Entfernungen über 1km bis maximal 3,3km, sowie Hindernisse wie beispielsweise Waldgebiete und Hecken wurden dabei überbrückt (Abb. 6 a, b). Der Individuenaustausch war jedoch um so intensiver, je näher die Flächen beieinander lagen. Entfernungen über 400m bis zu ca. 3km wurden von ca. 2-8% der wiedergefangenen Individuen überflogen, geringere Entfernungen (> 50m) zwischen zwei Flächen dagegen schon von ca. 10-40%. Mehr als 90% der wiedergefangenen Individuen waren demnach jedoch absolut standorttreu oder wechselten lediglich auf eine benachbarte Fläche.

Abb. 6a, b: Beobachtete Dispersionsdynamik der untersuchten Widderchenarten.

fig. 6ab: Observed dispersal dynamics of the burnet moth species studied.

 

Bei den beobachteten Flächenwechseln ließen sich keine geschlechtsspezifischen, wohl aber artspezifische Unterschiede in ihrer Häufigkeit nachweisen. Am flugfreudigsten waren Z. carniolica und Z. filipendulae, wohingegen Z. viciae im Vergleich eher als flugträge einzustufen ist (Tab. 1). Es darf angenommen werden, daß auch über die Grenze des Untersuchungsgebietes hinaus Individuenaustausche stattfanden. Bei allen Beobachtungen zu Flächenwechseln wurde keine Korrelation mit einer Wind- oder Himmelsrichtung festgestellt.

Abb. 7: Häufigkeitsverteilung der zurückgelegten Flugdistanzen (in Luftlinie). Distanzen unter 50 m wurden mit Abstand am häufigsten zurückgelegt, da sie lediglich aus Beobachtungen innerhalb zusammenhängender Flächen resultierten, wurden sie hier nicht berücksichtigt.

fig. 7: Frequency distribution of distances travelled (measured on a straight line from point to point) by frequency. Distances shorter than 50m were travelled by far the most frequently, but as these were mainly observed within individual habitat patches they are not considered here.

Tab. 1: Austauschraten zwischen Widderchenbiotopen (Abstand >400m). Angegeben ist der prozentuale Anteil der Flächenwechsler unter den wiedergefangenen Tieren und die beobachteten, maximal zurückgelegten Distanzen (Luftlinie).

tab. 1: Rate of dispersal among burnet moth habitats (distances >400m): number of individuals marked, %recapture, % individuals having switched habitat patch; max. distance travelled.

Tab. 1 Z. carniolica Z. filipendulae Z. loti Z. viciae
Markierungen (Tiere) 274 829 281 580
Wiederfänge (in %) 57.3 44.8 36.7 21.9
Flächenwechselrate (in %) 7.6 6.5 3.9 1.6
beob. max. Distanz (in m) 1900 3300 2400 1200

 

— Dispersionsdynamik zwischen benachbarten Biotopen —

Um zu untersuchen, ob innerhalb eines kleineren Entfernungsradius (ca. 50-400m) Parallelen zur großräumigen Dispersionsdynamik der untersuchten Arten bestehen und welche Effekte zunehmende Entfernungen zwischen Biotopen auf die Häufigkeit der Flächenwechsel haben, wurden die Individuenaustausche zwischen benachbarten Flächen genauer analysiert. Exemplarisch an Untersuchungsfläche Nr. 5 die aus drei etwa gleich großen Teilflächen im Abstand von ca. 50-100 m bestand (Abb. 6a, b), wurde festgestellt, daß die Teilflächen ca. 4-5 mal häufiger gewechselt wurden als es bei Flächen im Abstand von über 400m bis ca. 3km der Fall war. Hinsichtlich der Charakterisierung ihrer Mobilität ergaben sich für die Arten darüber hinaus für Entfernungen bis ca. 400m keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zu größeren Distanzen. Zwischen den Flächen in Abb. 6b wurden folgende Austauschraten ermittelt: Z. filipendulae ca. 37%, Z. carniolica 26%, Z. loti 12,5% und Z. viciae 11%. Für 13 Individuen wurde sogar ein mehrmaliger (bis zu 3 mal) Wechsel zwischen den drei Teilflächen nachgewiesen. Abschließend sollte noch erwähnt werden, daß eigenen Beobachtungen zufolge innerhalb einer zusammenhängenden Fläche die Widderchen in kürzester Zeit oftmals in der gesamten Fläche umherfliegen, so daß im allgemeinen von einer stetigen Durchmischung der Widderchen auf einer zusammenhängenden Fläche ausgegangen werden kann. Die auf der jeweiligen Fläche oft ungleich verteilten Ressourcen werden so von den Widderchen optimal genutzt. Die häufigen Flugbewegungen innerhalb einer Fläche belegen zudem die gute Flugkonstitution der Widderchen. Neben der Flächenwechselrate wiedergefangener Tiere, läßt sich die Mobilität der verschiedenen Widderchenarten zusätzlich durch eine Häufigkeitsanalyse der zurückgelegten Flugdistanzen charakterisieren. Hierbei wird prozentual dargestellt, wie oft eine bestimmte Distanz bezogen auf alle zurückgelegten Distanzen gewählt wurde. Dabei erwies sich die Einteilung in Distanzklassen zur besseren Darstellung als zweckmäßig. Bei allen Widderchenarten war die am häufigsten zurückgelegte Distanz nicht größer als 50-150m. Deutliche zwischenartliche Unterschiede ergaben sich im Bereich größerer Flugweiten, die von Z. carniolica und Z. filipendulae gegenüber Z. loti und Z. viciae häufiger bewältigt wurden (Abb. 7).

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