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Dispersionsdynamik von Widderchen zwischen verinselten Kalkmagerrasen in Süddeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzaspekten

— Bedeutung der beobachteten Flächenwechsel zur Verhinderung von Inzucht —


       Ein beobachteter Flächenwechsel für sich ist noch kein hinreichender Nachweis für eine Aufhebung der genetischen Isolation zwischen räumlich getrennten Populationen. Ein zusätzliches Kriterium muß die gute reproduktive Konstitution der Flächenwechsler sein. Diese müssen als Weibchen in der Lage sein, fertile Eier abzulegen, oder als Männchen zu kopulieren. Die untersuchten Widderchen wiesen eine maximale Lebenserwartung von ca. 3 Wochen auf (KREUSEL & BÖHMER 1998), wobei sich das Reproduktionsvermögen weiblicher Widderchen mit zunehmendem Alter infolge abnehmender Eiablagezahlen verringert (HEINE & NAUMANN 1993). Eine Altersanalyse aller gefundenen Flächenwechsler ergab, daß ca. 70% jünger als 10 Tage und 20% unter 5 Tagen alt waren, wobei größere Flugweiten von den jüngeren Flächenwechslern bewältigt wurden. Die Analyse berücksichtigt nicht, daß sich die Tiere bereits einige Zeit auf der neuen Fläche aufgehalten haben konnten, und damit hinsichtlich der Reproduktiviät noch günstigere Verhältnisse vorlagen. Männliche Flächenwechsler waren zwar in Schnitt wenige Tage älter als weibliche, Kopulationen wurden jedoch mehrfach über ihre gesamte Lebensspanne beobachtet (KREUSEL & BÖHMER 1998). Das geringe Alter der Flächenwechsler deutet darauf hin, daß diese die Fähigkeit besaßen, genetisches Material in neue Populationen einzubringen und neue Flächen zu besiedeln. Eine Annahme, die durch eine Beobachtung eines schlupffrischen Weibchens von Z. filipendulae gestützt wird, das noch am selben Tag einen ca. 400m entfernten Halbtrockenrasen aufsuchte und anschließend kopulierte.


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